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Wie immer Lappalien

2023
mit Clara Boesl

Unsere Arbeit findet ihren Ausgang im Raum selbst: Seitdem wir den Schlot kennen, gab es nie einen Wasseranschluss hinter der Bar. Ein Waschbecken und den Vorsatz, dass dort nun wirklich bald Wasser fließen soll, gab es hingegen schon jahrelang. Nun wollten wir mit einer Wasser filternden Brunnenskulptur wenigstens für einen kurzen Zeitraum das Vorhaben umsetzen. Doch kurz vorm Aufbau der Ausstellung gab es fließend Wasser hinter der Bar. Dazu gratulieren wir!

Nun da es zwei Wasseranschlüsse gibt, übernehmen wir gerne einen davon. Über das bestehende Waschbecken leiten wir das Wasser hin zu einem Schwammmonolith, gehauen aus einem selten großen Stück Schichtschwamm. Es handelt sich hierbei nicht um einen sedimentologischen Fachausdruck. Die Bezeichnung dient lediglich der Abgrenzung zu Plattenschwämmen, Schwammtüchern und Schichtsalat. Die Schichten entstehen dadurch, dass sich während der Ablagerung die Umweltbedingungen geringfügig ändern, sodass mal mehr und mal weniger Pigment in der Wassersäule produziert wird. Das Wasser dringt durch alle Schichten gleichmäßig durch, dabei bleiben Verschmutzungen und Farbpartikel in den kleinen Hohlräumen des Schwammmonoliths eingeschlossen. Nach angemessener Zeit durchgehender Bewässerung, wir rechnen mit 9 bis 48 Monaten, bilden sich mikroskopische Gärten zwischen den Schichten. Wo jetzt noch plätschernde Sauberkeit existiert, könnte dann ein jungelhaftes Ökosystem entstanden sein.

In der Wasserzirkulation fände es die Quelle seiner Autopoiese. Es wird zu einer schwingende Säule. Und während tragende Säulen feste Formen reproduzieren, wuchern hier über Etagen hinweg neue Spezien - lauter aufgeschwemmte Stapelfantasien. (Text © Clara Boesl)

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